Exemplareigenschaften in Autodesk Inventor

Inhalt

Einsatzgebiet 01 — Risikobeurteilung

Dieselbe Komponente, zwei vollständig unterschiedliche Sicherheitsrollen – sichtbar gemacht durch Exemplareigenschaften.

Ausgangssituation: Ein Normzylinder Ø 32 mm ist zweimal in der Baugruppe verbaut — beide Male dieselbe Teiledatei, dieselbe Sachnummer. Für die Risikobeurteilung nach EN ISO 12100 zählt jedoch nicht die Bauform, sondern die Funktion im Kontext der Maschine.
Komponente: Normzylinder Ø 32 mm — identische Teiledatei · 2× verbaut

Exemplar 1
Geringes Risiko
Aufgabe

Produkt 100 mm weiterschieben

Mögliche Ausfallursache
Druckabfall, Produktstau
Mögliche Folge
Folgebearbeitung kann nicht stattfinden
Gesundheitliche Schäden
Gering
Performance Level (PLr)
a
Maßnahme
Produktionsstopp, Fehlermeldung HMI
Exemplar 2 Hohes Risiko
Aufgabe

Schutzscheibe vor Gefahrenzone positionieren

Mögliche Ausfallursache
Druckabfall, Ventilfehler, Leckage
Mögliche Folge
Schutzvorrichtung unwirksam — Zugang zur Gefahrenzone möglich
Gesundheitliche Schäden
Hoch – Personengefährdung
Performance Level (PLr)
d
Maßnahme
Sicherheitsventil, Positionsüberwachung, Not-Halt

Warum Exemplareigenschaften? — Ohne dieses Feature steht in der Stückliste zweimal „Normzylinder Ø 32 mm” — ohne jeden Hinweis auf PLr a oder PLr d. Die Risikobeurteilung muss dann in einem separaten Dokument von Hand gepflegt und mit dem Modell synchronisiert werden. Mit Exemplareigenschaften ist der sicherheitsrelevante Kontext direkt am Modell verankert — und kann in die BOM-Ausgabe einfließen.

OHNE EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Stückliste: 2× „Normzylinder Ø 32 mm” — kein Kontext
  • Risikobewertung in separatem Excel-Dokument
  • Manuelle Synchronisation, fehleranfällig
  • PLr-Zuordnung nicht nachvollziehbar
MIT EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Jedes Exemplar trägt Funktion, Risiko und PLr direkt im Modell
  • BOM enthält alle sicherheitsrelevanten Felder
  • Kein Medienbruch zur Risikobeurteilung
  • Änderungen im Modell → sofort in der Dokumentation sichtbar

Einsatzgebiet 02 — Betriebsmittelkennzeichnung (BMK)

Der Schlüssel zur Verknüpfung von Mechanik-Stückliste und Elektroschaltplan — direkt am 3D-Modell hinterlegt.

Ausgangssituation: Ein Magnetventil 5/2-Wege ist dreimal verbaut — gleiche Teiledatei, gleiche Sachnummer. Im Schaltplan (EPLAN) tragen die drei Ventile die Kennzeichnungen 1Y1, 2Y1, 3Y1. Ohne BMK-Hinterlegung im 3D-Modell ist die Zuordnung reine Handarbeit

Komponente: Magnetventil 5/2-Wege — identische Teiledatei · 3× verbaut
Exemplar 1
1Y1
Funktion

Zuführzylinder steuern

BMK Mechanik
1A1
BMK Elektrik
1Y1
Funktionsgruppe
Zuführeinheit
Schaltplanreferenz
Blatt 3, Pos. 12
Rohrleitung
P1.01
Exemplar 2 2Y1
Funktion

Presszylinder steuern

BMK Mechanik
2A1
BMK Elektrik
2Y1
Funktionsgruppe
Pressstation
Schaltplanreferenz
Blatt 5, Pos. 4
Rohrleitung
P2.03
Exemplar 3
3Y1
Funktion

Auswurfzylinder steuern

BMK Mechanik
3A1
BMK Elektrik
3Y1
Funktionsgruppe
Auswurfeinheit
Schaltplanreferenz
Blatt 7, Pos. 8
Rohrleitung
P3.02

Warum Exemplareigenschaften? — Der BMK-Schlüssel ist der einzige durchgängige Faden zwischen Mechanik-Stückliste, Pneumatikplan und Elektroschaltplan. Ist er direkt am Exemplar im 3D-Modell hinterlegt, entfällt die manuelle Synchronisation mit EPLAN oder anderen E-CAD-Systemen — und Inkonsistenzen zwischen den Disziplinen werden sofort sichtbar.

OHNE EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Stückliste: 3× „Magnetventil 5/2″ — ohne BMK-Zuordnung
  • Zuordnung Mechanik ↔ Elektrik in separater Excel-Tabelle
  • Bei Änderungen: manuelle Synchronisation in zwei Systemen
  • Fehlerquelle bei Inbetriebnahme und Wartung
MIT EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • BMK direkt am Exemplar im Modell hinterlegt
  • BOM enthält mechanische und elektrische Kennzeichnung
  • Basis für automatisierten Abgleich mit E-CAD (XML/CSV)
  • Eine Quelle — konsistent in allen Dokumenten

Einsatzgebiet 03 — Sensor- / Aktorliste

Einbauort, SPS-Adresse und Funktion direkt am Sensor-Exemplar — die Liste entsteht automatisch aus dem Mod

Ausgangssituation: Ein induktiver Näherungsschalter Ø 8 mm ist viermal verbaut — überall dieselbe Teiledatei. Jedes Exemplar hat jedoch einen anderen Einbauort, eine andere SPS-Adresse und eine andere Aufgabe in der Anlage. Diese Information existiert bisher nur in einer parallel gepflegten Excel-Datei.

Komponente: Induktiver Näherungsschalter Ø 8 mm — identische Teiledatei · 4× verbaut
Exemplar 1
E 1.0
Funktion

Werkstück­erfassung Band

Einbauort
Station 1, Band links
SPS-Adresse
E 1.0
Schaltabstand
2,0 mm
Kabelkennz.
BK
Exemplar 2
E 2.4
Funktion

Endlage Hub oben

Einbauort
Station 2, Hubzyl. oben
SPS-Adresse
E 2.4
Schaltabstand
1,5 mm
Kabelkennz.
WH
Exemplar 3 E 3.1
Funktion

Magazin-Leer-Meldung

Einbauort
Station 3, Magazin vorne
SPS-Adresse
E 3.1
Schaltabstand
2,5 mm
Kabelkennz.
BU
Exemplar 4
E 4.1
Funktion

Schutzgitter geschlossen

Einbauort
Station 4, Schutztür
SPS-Adresse
E 4.2
Schaltabstand
3,0 mm
Kabelkennz.
GN

Warum Exemplareigenschaften? — Die Sensor-/Aktorliste für Inbetriebnahme, SPS-Programmierung und Servicedokumentation entsteht direkt aus der BOM-Ausgabe. Kein separates Excel-Dokument mehr, das mit dem 3D-Modell auseinanderlaufen kann. Ändert sich ein Einbauort im Modell, ist die Liste automatisch aktuell.

OHNE EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • BOM: 4× „Näherungsschalter Ø 8 mm” — kein Kontext
  • Sensor-/Aktorliste als paralleles Excel-Dokument
  • SPS-Adressen und Einbauorte manuell gepflegt
  • Veraltet nach jeder Konstruktionsänderung
MIT EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Einbauort, Funktion, SPS-Adresse direkt im Modell
  • Sensor-/Aktorliste aus BOM-Export generiert
  • Konsistent mit Schaltplan und Konstruktion
  • Immer aktuell — eine Quelle für alle Gewerke

Einsatzgebiet 04 — Voreinstellungen & Inbetriebnahme

Einstellwerte, Solldrücke und Inbetriebnahme-Hinweise direkt am Exemplar — kein Blättern im Handbuch mehr.

Ausgangssituation: Druckregelventile der gleichen Baureihe sind dreimal verbaut — gleiche Teiledatei, aber jedes Exemplar benötigt einen anderen Betriebsdruck, einen anderen Einstellzeitpunkt und unterschiedliche Sicherheitshinweise für die Inbetriebnahme.

Komponente: Druckregelventil, Baureihe DR — identische Teiledatei · 3× verbaut
Exemplar 1 6,0 bar
Versorgungskreis

Hauptversorgung Zylinder

Sollwert
6,0 bar
Einstellbereich
2 – 8 bar
Einstellzeitpunkt
Vor Erstinbetriebnahme
Hinweis
Nur im Stillstand einstellen
Verantwortlich
Inbetriebnehmer
Exemplar 2 1,8 bar
Versorgungskreis

Greifer-Klemmkraft

Sollwert
1,8 bar
Einstellbereich
0,5 – 4 bar
Einstellzeitpunkt
Nach Greifer-Justage
Hinweis
Feinjustierung im Betrieb möglich
Verantwortlich
Wartungstechniker
Exemplar 3 3,5 bar
Versorgungskreis

Spannzylinder Vorrichtung

Sollwert
3,5 bar
Einstellbereich
1 – 6 bar
Einstellzeitpunkt
Nach Werkzeugwechsel
Hinweis
Druckprüfung nach Einstellung
Verantwortlich
Einrichter

Warum Exemplareigenschaften? — Inbetriebnehmer und Wartungstechniker finden die Einstellwerte nicht auf Seite 47 eines allgemeinen Handbuchs, sondern direkt am Exemplar in der Dokumentation — mit dem richtigen Kontext, dem richtigen Zeitpunkt und dem klaren Verantwortlichen.

OHNE EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Einstellwerte im allgemeinen Handbuch — ohne Kontextbezug
  • Techniker muss das richtige Ventil erst identifizieren
  • Verwechslungsgefahr bei gleichen Bauteilen, unterschiedlichen Drücken
  • Keine Aussage über Einstellzeitpunkt oder Verantwortung
MIT EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Sollwert und Hinweis direkt am Exemplar im Modell
  • Inbetriebnahme-Report aus BOM-Export generierbar
  • Klare Zuordnung: welches Ventil, welcher Druck, wer stellt ein
  • Maschinenspezifisch — nicht generisch

Einsatzgebiet 05 — Wartung & Instandhaltung

Wartungsintervalle, Schmiermittel und Ersatzteilklassen — kontextgebunden am Exemplar statt generisch im Katalog.

Ausgangssituation: Rollenketten der gleichen Norm sind zweimal verbaut — identische Teiledatei, aber die Betriebsbedingungen sind grundverschieden: Antriebsseite unter Volllast, Rückführseite nahezu unbelastet. Wartungsplan und 3D-Modell leben bisher in getrennten Welten.

Komponente: Rollenkette 1/2″ × 5/16″ DIN 8187 — identische Teiledatei · 2× verbaut
Exemplar 1 – Antriebsseite 250 h
Einbausituation

Hauptantrieb, erhöhte Belastung

Wartungsintervall
250 Betriebsstunden
Schmiermittel
Kettenöl ISO VG 100
Austausch-Richtwert
Längung > 1,5 %
Zugänglichkeit
Schlecht — Demontage Station nötig
Ersatzteilklasse
A — immer vorrätig
Exemplar 2 – RÜCKFÜHRSEITE 500 h
Einbausituation

Rückführung, geringe Belastung

Wartungsintervall
500 Betriebsstunden
Schmiermittel
Trockenschmierung (ölfrei)
Austausch-Richtwert
Längung > 2,0 %
Zugänglichkeit
Gut — Wartungsklappe vorhanden
Ersatzteilklasse
B — bei Bedarf bestellen

Warum Exemplareigenschaften? — Aus dem 3D-Modell wird direkt ein maschinenspezifischer Wartungsplan generiert — nicht ein generischer aus dem Katalog. Intervall, Schmiermittel und Ersatzteilklasse sind der tatsächlichen Einbausituation angepasst. Falsche Wartungsintervalle durch Verwechslung gleicher Bauteile werden ausgeschlossen.

OHNE EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Wartungsplan aus Herstellerkatalog — generisch, kein Kontextbezug
  • Intervall und Schmiermittel identisch für beide Ketten
  • Zugänglichkeit und Ersatzteilklasse nicht dokumentiert
  • Servicetechniker muss Einbausituation selbst beurteilen
MIT EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Maschinenspezifischer Wartungsplan aus BOM-Export
  • Unterschiedliche Intervalle für gleiche Bauteile korrekt abgebildet
  • Zugänglichkeit und Ersatzteilklasse direkt verfügbar
  • Grundlage für CMMS-Integration (z. B. SAP PM)

Einsatzgebiet 06 — Montagereihenfolge & Anzugsmomente

Gleiche Schraube, unterschiedliche Anforderungen — Anzugsmoment, Sicherung und Prüfpflicht direkt am Exemplar.

Ausgangssituation: Sechskantschraube M12×40 ISO 4014 — 24-mal verbaut, gleiche Teiledatei. In der Tragstruktur gelten andere Anzugsmomente und Prüfpflichten als an der Verkleidung. Heute stehen diese Informationen im Montagehandbuch — wenn überhaupt.

Komponente: Sechskantschraube M12×40 ISO 4014, Festigkeit 8.8 — identische Teiledatei · 24× verbaut
Exemplare 1–8 — Tragstruktur Protokollpflicht
Verbindungsart

Kraftübertragende Verbindung

Montageschritt
Schritt 3 — vor Ausrichtung
Anzugsmoment
85 Nm
Schraubensicherung
Loctite 243 (mittelfest)
Spezialwerkzeug
Drehmomentschlüssel erforderlich
Prüfpflicht
Ja — Protokoll erforderlich
Exemplare 9–24 — Verkleidung Standard
Verbindungsart

Nicht-kraftübertragende Verbindung

Montageschritt
Schritt 17 — Abschluss
Anzugsmoment
25 Nm
Schraubensicherung
Keine
Spezialwerkzeug
Standardschlüssel SW 19
Prüfpflicht
Nein

Warum Exemplareigenschaften? — In der Stückliste steht 24-mal „M12×40 ISO 4014 8.8″. Welche davon mit Loctite? Welche mit Protokollpflicht? Ohne Exemplareigenschaften ist das nicht aus der BOM ablesbar. Mit Exemplareigenschaften kann direkt eine prüfpflichtige Schraubenliste für die Qualitätssicherung exportiert werden.

OHNE EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • BOM: 24× „M12×40 8.8″ — kein Hinweis auf Unterschiede
  • Anzugsmomente und Sicherung im Montagehandbuch — ohne Positionsbezug
  • Prüfpflichtige Schrauben müssen manuell identifiziert werden
  • Fehlerrisiko bei der Montage und Abnahme
MIT EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Anzugsmoment und Sicherung direkt am Exemplar hinterlegt
  • Prüfpflichtige Schraubenliste automatisch aus BOM exportierbar
  • Montageschritt klar zugeordnet — strukturierte Montageanweisung
  • Grundlage für digitale Prüfprotokolle (QM-Integration)

Einsatzgebiet 07 — Ersatzteilmanagement

Kritikalität, Mindestlagerbestand und Lieferzeit — kontextabhängig am Exemplar statt pauschal für den Artikelstamm.

Ausgangssituation: Sechskantschraube M12×40 ISO 4014 — 24-mal verbaut, gleiche Teiledatei. In der Tragstruktur gelten andere Anzugsmomente und Prüfpflichten als an der Verkleidung. Heute stehen diese Informationen im Montagehandbuch — wenn überhaupt.

Komponente: Magnetventil 5/2-Wege — identische Teiledatei · 3× verbaut
Exemplar 1 Klasse A — Kritisch
Einbausituation

Haupttaktzylinder

Ersatzteilklasse
A — kritisch
Mindestlagerbestand
2 Stück
Lieferzeit
12 Wochen
Austauschbar durch
Nur Originalersatzteil
Folge bei Ausfall
Produktionsstopp gesamt
Exemplar 2 Klasse B — Wichtig
Einbausituation

Auswurfstation

Ersatzteilklasse
B — wichtig
Mindestlagerbestand
1 Stück
Lieferzeit
3 Wochen
Austauschbar durch
Kompatibles Fabrikat X möglich
Folge bei Ausfall
Teilstopp, Umgehung möglich
Exemplar 3
Klasse C — Unkritisch
Einbausituation

Hilfsachse Ausrichter

Ersatzteilklasse
C — unkritisch
Mindestlagerbestand
0 — bei Bedarf
Lieferzeit
3 Tage (Standardlieferant)
Austauschbar durch
Mehrere Alternativen zugelassen
Folge bei Ausfall
Eingeschränkter Betrieb möglich

Warum Exemplareigenschaften? — Im Artikelstamm hat jedes Bauteil eine Ersatzteilklasse. Die Kritikalität hängt aber nicht vom Bauteil ab — sie hängt vom Einbaukontext ab. Mit Exemplareigenschaften kann pro Maschine eine individuelle, risikobasierte Ersatzteilliste aus dem 3D-Modell exportiert werden.

OHNE EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Ersatzteilklasse im Artikelstamm — pauschal für alle Einbaulagen
  • Kritikalität der konkreten Einbausituation nicht abgebildet
  • Lagerbestand pauschal — zu viel oder zu wenig
  • Kein Hinweis auf zugelassene Alternativen pro Einbaufall
MIT EXEMPLAREIGENSCHAFTEN
  • Ersatzteilklasse A/B/C direkt am Exemplar im Modell
  • Maschinenspezifische Ersatzteilliste aus BOM-Export
  • Lagerbestand und Lieferzeit kontextbezogen definiert
  • Grundlage für ERP/CMMS-Integration (SAP MM, Infor)